Gestern schaute ich zum ersten Mal „Mad Men“, auf DVD. Da ich keinen Fernseher habe, bin ich in Sachen Serien immer ein bisschen naiv und hoffnungslos hintendrein. Die allermeiste Zeit habe ich keine Ahnung, wovon die Leute so reden. Nun aber „Mad Men“, weil ich herausfinden will, was der Hype um diese Serie bedeutet. Ein Backlash in Sachen Emanzipation vielleicht? Mal sehen. Folgendes geschieht: Die Werber treibt die Frage um, was Frauen eigentlich wollen. Natürlich hat keiner von ihnen die leiseste Ahnung, was Frauen denn noch wollen könnten, nachdem sie ein tolles Haus, einen Schrank mit tollen Kleidern, zwei süsse Kinder sowie fünfzig Paar Schuhe besitzen. „Who the fuck cares?“ meint der Boss. Die Frau, das Mysterium. Ein Rätsel, das umso schwerer wiegt, als die Frau ja die Kundin ist. Ausschliesslich sie geht einkaufen, während der Mann hinter dem Schreibtisch ächzend das Geld verdient oder sie mit der Sekretärin betrügt.

Ich mache die Probe und frage meinen Mann, ob er denn wisse, was Frauen wollen. Er antwortet: „Respekt.“ Wow, Bingo! Was bin ich für ein Glückspilz! Mein Mann weiss, was ich will, was Frauen wollen. Aber, weiss es auch die Gesellschaft?

Ohne lange zu überlegen, fallen mir folgende Gründe ein (Liste unsortiert und unvollständig), die dagegen sprechen:

1. Frauen verdienen noch immer im Schnitt 20-25% weniger. Aber das macht ja nichts. Geld ist nicht alles.

2. Frauen wird oft mitgeteilt, Nr. 1. sei eben so, weil Frauen in Branchen beschäftigt wären, die nicht so gut bezahlt seien. Nun, man könnte natürlich die Löhne in Tieflohnsektoren wie Altenpflege, Krankenpflege, Kinderbetreuung etc. anheben. Aber, wie gesagt, Geld ist nicht alles. Hauptsache der Job macht Spass, oder?!

3. Die deutsche Olympia-Sportlerin Drygalla tritt vom Wettkampf zurück, weil ihr vorgeworfen wird, dass ihr Freund in der Neonazi-Szene mitmischt. Scharf geschlossen ist man also der Meinung, dass Drygalla automatisch das Gedankengut ihres Freundes adaptiert, also nicht selber denken kann. Dass das Umgekehrte passiert, ist eigentlich kaum vorstellbar, oder?

4. Eine Behauptung: Frauen werden noch immer an ihrem Aussehen gemessen während Männer in Ruhe ihren Bierbauch pflegen und seit neuestem auch wieder Bart tragen dürfen. Die wenigen Exemplare, die sich im Studio den Sixpack antrainieren, darf man getrost beiseitelassen. Den Druck, den Frauen erleben, werden Männer niemals haben. Weder wären sie bereit so viel Zeit noch so viel Geld zu opfern. Oder anders gesagt, nimmt der Schönheitsdruck für Männer zu, nimmt er für Frauen noch mehr zu.

5. Noch immer wird die Welt von Männern für Männer erfunden.

6. Frauen wird seit Jahren eingebläut, es gäbe eine gläserne Decke. Diese Rede dient vor allem dazu, Frauen durch Abschreckung davon abzuhalten, mehr zu wollen, als die Assistentin des Chefs zu sein.

7. Das Prinzip gläserne Decke funktioniert deshalb so gut, weil die Karriere von Frauen durch Reproduktion und Familienarbeit – also Kinderkriegen und Wäsche waschen – ungleich mehr behindert wird als die von Männern. Die meisten dürften dies als normal empfinden.

8. Es gibt mittlerweile mehr Studentinnen als Studenten aber noch immer verhältnismässig wenige Professorinnen. Ohne genaue Zahlen zu nennen ahnt man doch: Irgendetwas stimmt da nicht.

9. Die Welt ist ungerecht und für Frauen noch ungerechter. Weltweit sind mehr Frauen von mangelnder Bildung, Armut und Hunger betroffen. Gleichzeitig erbringen sie mehr Arbeitsleistung als Männer.

10. Männer haben mehr Freizeit.

Fazit: Frauen wird durchaus Respekt entgegengebracht, solange sie bereit sind, die Punkte 1 – 10 zu ignorieren.

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