DAS küchenphilosophische Thema überhaupt ist ja der Sinn des Lebens. So geht wenigstens das Klischee. Ich selber weiss nicht mehr, ob ich mich je an einem Küchentisch an ein so gewichtiges Thema gewagt habe. Wahrscheinlich war man dann bereits bei der x-ten Flasche Wein angelangt, bestimmt gab es Antworten, aber keine Erinnerung daran.

Nun, das Wundervolle an der Küchenphilosophie ist ja, dass sie sich nicht nur an grosse Themen heranwagt sondern AUCH auf Lösungen kommt, während die akademische Philosophie bereits an der Frage verzweifelt, ob wir aus einer, zwei, drei oder vier Personen bestehen. (Was bei so gespenstischen Politikern wie Berlusconi oder Putin eine durchaus eine berechtigte Frage ist.) Wir wollen uns mit solchen Nebensächlichkeiten aber gar nicht erst aufhalten sondern küchenphilosophisch furchtlos die grossen Dinge in Angriff nehmen. Heute also, der Sinn des Lebens:

Ich muss vorausschicken, dass jemand wie ich noch nicht einmal über den Sinn des Lebens nachdenken dürfte. Wer weder an Gott glaubt, noch an einen göttlichen Schöpfungsplan, dem muss die Rede von einem universalen Sinn des Lebens schlicht und ergreifend sinnlos erscheinen. Denn die Natur ist zwar überwältigend, aber sie kennt halt kein höheres Ziel. Es geht folglich an dieser Stelle nicht um einen universalen oder überindividuellen Sinn sondern nur um den Sinn, den man sich selbst und seinem eigenen Leben geben kann.

Früher dachte ich etwas naiv, dieser bestehe darin, glücklich zu sein. Ich dachte, wenn die Menschen glücklich wären, würden sich die anderen Probleme (wie bsp. Gier, Korruption etc.) ganz von alleine lösen und die Welt sich zwangsläufig zu einem gerechten Ort wandeln.

Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich in der Hinsicht nicht zu ehrgeizig war und das liegt nicht nur daran, dass sich mit dem Alter halt vieles relativiert. Ich selber führe ein gutes Leben und ich bin sehr zufrieden, aber bin ich glücklich? Das Gefühl, glücklich zu sein ist doch in der Regel nicht von Dauer sondern kommt in gewissen Momenten wie ein Schauer über einen. Manchmal leicht wie ein warmer Sommerregen, manchmal elektrisierend wie ein Blitzschlag. Ich hoffe jeder kennt das Gefühl, sein Herz müsse ihm zerspringen vor lauter Glück. Ein wunderbarer Zustand aber man ist froh, wenn er wieder vorbei ist, weil das Glück in dieser extremen Form echte körperliche Schmerzen bereitet. Das Gefühl glücklich zu sein ist also sehr flüchtig, wäre es von anhaltender Dauer, wohl sehr anstrengend und schädlich.

Heute glaube ich, dass der Sinn des Lebens schlicht darin bestehen könnte, Frieden mit sich selbst zu schliessen. Für jemanden wie mich macht das durchaus Sinn. Ich war immer schon wahnsinnig ambitioniert und meinte beispielsweise als Kind, ich müsse das Hungerproblem lösen. Das kann sehr belastend sein, denn offensichtlich ist in der Hinsicht nichts geschehen. Es ist alles reine Theorie geblieben, aber die Ungerechtigkeit der Welt nagt noch immer an mir.

Ganz fair ist es ja schliesslich nicht. Man kommt auf die Welt ohne wählen zu können, wer man ist und sein wird. Tag für Tag hat man mit sich selber zu tun und zu kämpfen und wünschte sich doch oft genug, jemand anders zu sein. Vieles kann man ändern, aber eben nicht alles. Man hat grosse Ziele und nur wenige davon werden je in Erfüllung gehen. Damit muss man sich erst mal abfinden.

Woody Allen hat das Problem in seiner unvergleichlichen Art auf den Punkt gebracht: „Wie ist es möglich, in einer endlichen Welt Sinn zu finden – bei meiner Taille und Kragenweite?“

Das trifft meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf. Und das Beste scheint bis auf weiteres, Frieden mit sich selbst zu schliessen.

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