Bildergebnis für William Holbrook Beard

»Meilodoponi.«

»Was?«

»Meilodoponi.«

»Ich versteh nicht.«

Der kleine Bruder eilt zu Hilfe: »Meilodopoonii!!«

»Ich habe keine Ahnung, wovon ihr redet.«

Tochter eilt nach oben und bringt ein kleines weißes Pferd mit langem rosa Haar, atemberaubenden Wimpern und Glitzersternen auf den Hinterbeinen mit.

»Ach so! My little Pony!«

»Ja, eben. Meilodoponi.«

»DAS wünschst du dir vom Weihnachtsmann?«

»Ja.«

»Dafür bist du schon viel zu alt.«

»Hm, schade.« Die Enttäuschung ist gross. »Dann aber die Babyborn-Puppe mit den zwei braunen Pferden.«

»Ich finde, auch dafür bist du zu alt, Liebes. Sorry.«

»Aber, das muss doch der Weihnachtsmann entscheiden!«, ruft der kleine Bruder. Er hat ein gutes Herz, echt jetzt.

»Auch der Weihnachtsmann findet, dass sie dafür zu alt ist.«

»Woher will er das denn wissen?«

»Er weiß es einfach.«

»Aber woheheer?«

»Ich habe es ihm gesagt.«

»Echt? Wie denn? Wie hast du ihm das gesagt?«

»Ööh, wir haben letzthin telefoniert.«

»WAS? Du hast mit dem Weihnachtsmann TELEFONIERT?« Sohn reißt die Augen auf. Tochter sagt nichts mehr und schaut mich stattdessen nur zweifelnd an.

Sherlock Holmes geht der Sache auf den Grund: »Und woher hast du seine Nummer?«

»Die hat er mir mal gegeben.«

»Was? Also, hast du ihn mal gesehen?« Er fasst sich an die Stirn. Tochter schaut mich weiter unverwandt an und zieht die Augenbrauen hoch.

»Na, schreibt mal schön eure Wunschliste fertig, und eine Zeichnung wolltet ihr ja auch noch machen. Also, hopp, hopp. Bald gibt’s Abendessen«, versuche ich abzulenken.

Sohn macht sich stirnrunzelnd an die Arbeit und pfeift schon bald wieder vergnügt vor sich hin. Tochter folgt mir in die Küche.

»Mama, ich weiß, dass du es bist. Du und Papa. Aber, ich sag nichts.« Sie legt den Finger verschwörerisch auf die Lippen.

»Was? Wie kommst du denn darauf? Was für eine Schnapsidee!« Ein letztes verzweifeltes Aufbäumen. Was kann es für ein Kind Schöneres geben, als ein Wesen, das da draußen irgendwo existiert und nur, um Kindern Geschenke zu bringen?

Sie schaut mich an, lächelt, und plötzlich wird mir klar, dass sie es vielleicht längst nur noch für mich tat. Nur für mich gab sie vor, noch an den Weihnachtsmann zu glauben. Damit ich nicht enttäuscht bin.

Wenn das nicht Liebe ist.

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6 thoughts on “Meilodoponi oder 99 Gründe glücklich zu sein – Nr. 40

  1. Cool, klug, allerliebst: Wie die Kinder, so die Mutter, kann ich da nur sagen. Und: Das ist jetzt mal ein wirklich schöner, berührender Text zum Thema Weihnachten. Liebe ist wahrlich ein Glücksgrund.

    1. Ja, um die Liebe geht es ja im Grunde. Daran muss man sich ab und zu wieder selbst erinnern, besser gesagt: Mit Kindern hat man zwar mehr Stress (nehme ich an), aber man wird auch mit viel Liebe belohnt. Jede Stunde Weihnachtsmärchen hören, Kekse backen, Kerzen anzünden, Sterne basteln wird mit leuchtenden Kinderaugen belohnt. Das ist schon sehr sehr rührend…. 🙂

  2. Ich liebe den Anfang, es hat mich echt überrascht, was sich aus “Meilodoponi” entwickelt hat. Und für mich gibt es wenig Besseres, als von einer Geschichte überrascht zu werden.

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