Besitze mich, bitte!

In der Volkskrant wurde diese Woche die Frage aufgeworfen, ob man im Film nicht eigentlich mehr von der Klitoris zu sehen kriegen müsste. Die bessere Frage ist, weshalb sollten Frauen das zeigen wollen? Immerhin ist die Klitoris eines der letzten halbdunklen Geheimnisse, die Frau noch besitzt, die letzte Babuschka sozusagen. Logisch, dass man das sehen will, aber woher bloß kommt dieser Zeigewahn?  

L’enfer c’est les autres, jeder kennt diesen Satz von Jean-Paul Sartre. Nach Nietzsches Gott ist tot wahrscheinlich der berühmtste philosophische Ausruf überhaupt. Aber, die anderen sind nicht die Hölle, weil sie so doof sind oder nur dummes Zeug reden. Jean-Paul Sartre betrachtete die zwischenmenschliche Beziehung als vom Ursprung her konfliktbeladen. Die Problematik sah er wesentlich im Blick des anderen. Denn der Blick des anderen objektiviert mich, indem er mich so sieht, wie ich bin, wie ich mich aber niemals sehen werde. Die Hölle ist die Erfahrung der Scham, die durch den Blick des anderen hervorgerufen wird, die Erfahrung des meiner Selbst als ein Für andere. Der Konflikt liegt in der eigenen Abhängigkeit von der Freiheit des anderen, mich zum Objekt zu degradieren und als Mittel für Zwecke zu benutzen, die mir nicht bekannt sind. In einer Welt, die vom Zeigen geradezu besessen ist, klingt das vielleicht altmodisch, aber nicht weniger wahr.

Etwas ähnlich kann man auch bei Susan Sontag lesen, in ihrem sehr intelligenten schmalen Büchlein On Photography. Menschen zu fotografieren bedeutet, ihnen Gewalt anzutun. Wer jemanden fotografiert, sieht ihn so, wie er sich selber niemals sieht. Der Fotografierende erfährt etwas, was der andere von sich selbst niemals erfährt. Das Fotografieren verwandelt Menschen in Objekte, die man symbolisch besitzen kann.