Pfui Teufel, die Stadt!

Das Landleben ist hip! Zurück zur Natur! Der Sog des Grünen ist noch stärker geworden, nachdem man entdeckt hat, dass die Stadtwohnung gerade so reicht, um eine dreiköpfige Familie zu verräumen, aber keinesfalls auch noch als Büro dienen kann. In der Schweiz, so hört die Redaktion aus einschlägigen Quellen, kann man für ein Einfamilienhaus im langweiligsten Kuhdorf Fantasiepreise verlangen. Es gibt aber noch einen anderen Zusammenhang. Natur das ist Ruhe, vermeintlich Stabilität, Meditation und Halt im unzuverlässigen Wabern des Digitalen. Den Zusammenhang kann, wer will, hier nachlesen: Der Hipstervogel

Auch Martin Heidegger war ein Naturmensch. Über den Sündenpfuhl Berlin hat er sich angewidert gezeigt, so kann man im Philosophie Magazin nachlesen. 1921 weiß Heidegger seinem Seelchen Elfriede Folgendes zu berichten: „Eine solche Luft künstlich hochgezüchteter und raffiniertester Sexualität hätte ich nicht für möglich gehalten …“ Etwas heuchlerisch von einem, der sein Seelchen notorisch betrogen hat und zwar mit der genialen Hannah Arendt, was ihn dennoch nicht dazu veranlasst hat, seine große Liebe vor den aufdringlichen Forderungen des Nazi-Regimes zu schützen.

Heidegger soll von einer ganz besonderen Anziehungskraft gewesen sein. Nicht selten soll er auf Skiern und im Skianzug zur Vorlesung erschienen sein. Ein Naturbursche durch und durch. Kein Wunder, fühlte er sich von den Blut- und Boden-Fantastereien der Nazis angezogen. Tragische Verfehlung, dennoch hat Heidegger mit seiner Suche nach dem unverstellten Leben einen Nerv getroffen, der bis heute zuckt. Heidegger hat das Sein gesucht, wo andere nur das Dasein fanden.