Die umgedrehte Burka

In der Schweiz wird heute darüber abgestimmt, ob es erlaubt sein soll, in der Öffentlichkeit sein Gesicht zu verhüllen oder nicht. Die Emotionen gingen hoch im Abstimmungskampf und schnell wurde das Ganze zu einem Kampf gegen die Unterdrückung der Frau stilisiert. Die Redaktion hätte hier noch ein klitzekleines Wörtchen mitzureden, nur leider hat sie es verdödelt, den Abstimmungsbrief rechtzeitig loszuschicken. Die Dödelredaktion hätte sich jedenfalls gegen dieses Verhüllungsverbot ausgesprochen und zwar aus vier Gründen

Der Mund-Nasenschutz ist nicht unpraktisch. Pickel und unerwünschte Gesichtshaare lassen sich damit prima verdecken. An ganz schlechten Tagen wünscht die Redaktion sich manchmal gar eine Burka.

Der Staat soll nicht vorschreiben dürfen, was man zu tragen hat und was nicht. Als Nächstes werden grüne Haare verboten, weil sich gewisse Leute daran stören.

Die rechtskonservative SVP hat sich für dieses Verbot ganz stark gemacht. Alles zur Befreiung der islamischen Frau. In der Parteizeitung SVP-Klartext vom Januar 2021 schreibt Monika Rüegger von der SVP Obwalden: Das Gesicht ist Ausdruck unserer Person, unser Fenster zur Welt. Wer Frauen vollverschleiert unter einer Burka oder einem Niqab versteckt, beraubt sie eines wesentlichen Teils ihrer Persönlichkeit. In einer freien Welt, wo Frau und Mann laut Verfassung gleich sind und sich auf Augenhöhe begegnen, darf eine solche Form der Unterdrückung nicht geduldet werden. Die Frauen unter einem Tuch mit Guckloch zu verstecken, ist eines aufgeklärten Landes unwürdig. Dazu darf man vielleicht noch anmerken, dass die SVP sich noch nie vorher für die Rechte der Frauen eingesetzt hat. Um die Befreiung der Frau geht es dieser Partei als allerletztes.

Auf der einen Seite Verhüllung, auf der anderen Enthüllung, Schönheitsdiktat, Fitnesswahn, Zeigelust. Über den Körper der Frau wurde immer schon verfügt, der Körper der Frau war immer schon politisch. Je mehr Freiheiten Frau hat, desto rigoroser wird Frau über ihre Äußerliches kontrolliert. Die Bikinifigur ist im Prinzip eine umgedrehte Burka. Natürlich, jeder und jede darf mit ihrem Körper tun, was sie will, aber es stellt sich die Frage, ob die Dicke im Trainingsanzug dieselben Chancen hat im Beruf wie die Dünne im Bleistiftrock auf hohen Absätzen. Wohl eher nicht.