Einmal Leber mit Herz bitte!

Schon sehr, sehr lange ist die Redaktion Organspenderin. Ein Akt der Solidarität, bisher eine Selbstverständlichkeit. Allerdings hat diese Großzügigkeit im letzten Jahr einen empfindlichen Knacks bekommen. In den Niederlanden gilt nämlich seit Juli 2020 die Widerspruchsregelung. Dies bedeutet, dass jede in den Niederlanden gemeldete Person, die sich nicht aktiv dagegen ausspricht, nach dem Tod zur Organspenderin wird. Auch in der Schweiz ist diese Regelung nach einem Entscheid des Nationalrates nun Fakt. Wem die Unversehrtheit seines Körpers auch nach dem Tod ein Anliegen ist, muss dies kundtun, sonst wird er zukünftig auch in der Schweiz automatisch zum Organspender. Immerhin müssen in der Schweiz die Angehörigen zwingend zum Willen des Verstorbenen befragt werden.

In der larapalara-Redaktion wird dieser Entscheid als hochproblematisch empfunden, passt aber genau in die Zeit. Diese Regelung betrachtet den Menschen als im Prinzip dem Leben dienend, auch nach dem Tod. Und dabei geht es nicht etwa um das gute Leben, sondern das Leben an sich. Das Leben als System, das Leben, das man erhalten muss, egal was es kostet und auch wenn der Einzelne dabei kreuzunglücklich ist. In den Niederlanden muss einen so ein Entscheid nicht wundern. Die Niederlanden werden pragmatisch geführt, es geht hier in der Regel nicht um die Moral, sondern ums Geldverdienen. Geografisch und moralisch ist dieses Land dem Untergang geweiht. Die Niederlanden sind kein Land, höchstens ein Betrieb, hat Michel Houellebecq mal gesagt. Diesen Satz würde ich sofort unterschreiben.

Die Organspendebereitschaft der Schweizer ist bisher erschreckend tief, von daher galt wohl Handlungsbedarf. Doch selbst die Nationale Ethikkommission war gegen die nun gewählte erweiterte Widerspruchslösung. Laut Tagesanzeiger verlangte sie, „dass der Bund von allen in der Schweiz wohnhaften Personen eine Stellungnahme zur Organspende einhole und diese Aussage in einem nationalen Register festhalte.“ Der Nationalrat hat den Vorschlag der Ethikkommission mit großer Mehrheit abgelehnt. Anscheinend hat die Swisstransplant eine sehr starke Lobby.

Ein Volk von Organspendern muss selbstverständlich gut kontrolliert werden, damit die Ernte (im Englischen nennt man die Organentnahme ja tatsächlich harvesting) auch gelingt. Fitnesswahn und Rauchverbot sind nur der Anfang. Wetten, dass die Aufforderung, noch gesünder zu leben, nicht mehr lange auf sich warten lässt? „Komm Luca, iss auch den Spinat. Denk daran, dass dein Herz nicht nur dir gehört.“ Oder, Alkohol trinken? Geht in Zukunft gar nicht mehr. „Denk an unsere Leber, Anna. Sei nicht so verantwortungslos!“