Die Sublimen, Auszug K1 – Einfach mal reinlesen

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Und dann, als sie wieder in ihrem Teil der Stadt waren und niemand sie mehr sah, war Jo abrupt stehen geblieben. Atemlos hatte er auch ihre andere Hand in die seine genommen. Sein Gesicht hatte förmlich geleuchtet. Alda sah sein Lächeln vor sich, als ob es gestern gewesen wäre. Seine Zähne hatten im Dunkeln geglänzt wie eine Reihe weißer Perlen. »Lass uns heiraten!« Die Worte waren aus Jos Mund gepurzelt wie bei einem aufgeregten Kind. »Lass uns heiraten!«

Und Alda? Sie hatte ihn mit offenem Mund angestarrt, ihre Hand war der seinen längst entflohen. Und dann hatte sie lauthals gelacht, hatte gedacht, er mache einen Spaß, hatte gedacht, er wolle sie necken, mit der Aussicht auf sechs Gören und eine schmutzige Küchenschürze. Die Tristesse der italienischen Mamma, die sie eben auf der Kinoleinwand gesehen hatten, musste ihn dazu gebracht haben, sich diesen Scherz zu erlauben. Es konnte gar nicht anders sein. Doch dann sah sie seine Augen, die sie so sanft anschauten, dass es ihr Angst machte. Und sie hatte nicht gewusst, was sie nun sagen sollte. Hatte nicht aussprechen wollen, was Jo hören wollte. Sie hatte sich überrumpelt gefühlt. Nein, sie wollte nicht heiraten und statt einzuwilligen hatte sie, ohne viel zu überlegen, geantwortet: »Nein, lass uns eine Bewegung gründen. Wir starten eine Revolution!« Und Jo hatte eingewilligt. In jenem Moment hätte er zu allem Ja gesagt.