Geschichten aus dem Gegenteil von Heimat – 2

Eben, der Park. Dort steht auch ein sehr schönes Restaurant, an einem Teich mit hohen Bäumen, traumhaft. Zumindest könnte es ein sehr schönes Restaurant sein. Als wir vor etlichen Jahren zum ersten Mal durch den Park spazierten, war ich der felsenfesten Überzeugung, dass wir am nächsten schönen Sonntag dort einen Eisbecher (oder gut schweizerisch einen Coupe) essen würden. Aber spätestens seit der Tubeltrophy weiß jede/:*r gute/:*r Schweizer/:*in ja, dass es nicht überall wo die Sonne scheint, auch eine Glacekarte gibt.

Das Restaurant, so stellte sich bald heraus, war damals ausschließlich für Hochzeiten geöffnet. Wie man so viel Potenzial verschwenden kann! Dasselbe gilt für ein anderes, ähnlich entzückendes Gebäude in einem andern Park. Perfekt, um im Sommer zusammen mit dem Nerd unter den hohen Bäumen zu sitzen und Bier zu trinken, aber nein, es ist eine Kochschule für Reiche. Das hat mir meine Nachbarin erzählt, die es wissen muss, weil sie früher selber reich war, bis ihr Zahnarztgatte mit der Zahnarztgehilfin durchgebrannt war.

Inzwischen ist die Hochzeitslocation tatsächlich ein Restaurant. Es heißt Loetje, was wahrscheinlich ein Frauenname ist, denn hier haben Menschen Namen wie Loes und Puck und Jet und Kato. Einmal hatte ich eine Klasse mit vier Mädchen und 26 blonden Jungs. Die hatten Namen wie Ties, Teun, Tijs, Thijs, Theijs, Thijn, Thijmen, Timon. Kein Wunder, dass ich die Klasse nicht im Griff hatte. Bis zuletzt musste ich Dinge sagen wie: Du da … wie heißt du nochmal? … im roten Pullover! Sei still jetzt!

Beim Loetje gibts auch keinen Coupe, sondern Steak mit Fritten, so wie überall.