Einfach mal reinlesen – Track 4

Alda sah die Schlagzeile zufällig. Früh am Morgen, als sie von ihrem Job beim City-Spa kam und auf dem Rad an einem Kiosk vorbeifuhr, sprangen die schwarzen Buchstaben sie förmlich an.

PG-Politiker Opfer eines hinterhältigen Paketbombenanschlages!

Sie drehte den Kopf, um die Schlagzeile nochmals zu lesen, und geriet prompt mit dem Vorderrad zu nah an den Bordstein. Das Rad geriet ins Schlingern und Alda fiel auf den Bürgersteig direkt neben den Kiosk. Sie konnte ihren Fall noch knapp mit den Händen auffangen, trotzdem knallte sie hart auf das eine Knie, das von einem anderen Sturz bereits lädiert war. Die Schmerzen trieben ihr die Tränen in die Augen. Sie begriff nur langsam. PG, das war die ›Projekt Gesellschaft-Partei‹. Da war die Partei von … Nein, das konnte nicht sein!

Einer, der sie beobachtet hatte, überquerte die Straße, um ihr aufzuhelfen. Es war einer von diesen Sublimen. Nur Glückshuren rochen so. Sie bedankte sich höflich.

»Geht es?«, wollte er mit besorgter Miene wissen.

»Ja, ja, es geht. Danke.«

Er nahm das Fahrrad, stellte es neben sie hin und wartete, sichtlich unentschlossen, was er nun tun sollte.

»Es ist nicht schlimm. Ehrlich. Mach dir keine Sorgen.«

»Ehrlich?«

»Ja.«

»Kann ich nichts mehr für dich tun?«

»Nein.«

»Du blutest aber.« Er zeigte auf ihr Knie. »Ich könnte dich ins Krankenhaus bringen.«

»Ins Krankenhaus? Bitte nicht. Ich wohn hier gleich um die Ecke.« Alda schüttelte lachend den Kopf. Ideen hatten die Leute.

»Die Wunde muss man sehr sorgfältig säubern. Hast du …«

»Ich habe alles!«, rief Alda ungeduldig.

Er schaute sie zweifelnd an. »Okay, dann gehe ich mal«, antwortete er schließlich und schwebte davon.

Sie krempelte die Hose hoch. Die alte Wunde war wieder aufgeplatzt. Während sie ihr aufgeschürftes Knie begutachtete, betrachtete sie aus den Augenwinkeln das Zeitungsbild. Es zeigte einen Menschen, der auf einer Bahre aus einem Haus zu einem Krankenwagen getragen wurde. Das Gesicht war nicht zu erkennen, aber das Gebäude im Hintergrund war eindeutig sein Wohnhaus in Hottingen. Konnte es sich um einen dummen Zufall handeln? Nein, das war unmöglich, es musste Mees sein.