Geschichten aus dem Gegenteil von Heimat – 3

Apropos, Hochzeitslocation. In der Provinz, in der ich wohne, wird ja wahnsinnig früh geheiratet. Gerade hat unser ehemaliger Praktikant bekannt gegeben, diesen Monat, mit zarten 23 Jahren, seiner Geliebten das Ja-Wort geben. Und das, obwohl ich ihm im Sommer noch gut zugeredet habe, doch noch zu warten. Eine Hochzeit, das läuft einem ja nicht davon (oder gerade). Vielleicht findest du noch eine andere, hätte ich damals fast gesagt und mir gerade noch rechtzeitig auf die Zunge gebissen. Ich kenne seine Freundin ja gar nicht und überhaupt, wie komme ich dazu zu denken, dass er noch eine andere braucht in seinem Leben? Dennoch bilde ich mir ein, dass Leute, die in jungen Jahren etwas erlebt haben, später treuer sind, weil sie nichts nachholen müssen. Aber, vielleicht ist das ja nur die naive Einschätzung einer Person, die mit zarten neun Jahren bereits heiße -Ich liebe dich. Liebst du mich auch? Ja, nein, vielleicht. Bitte ankreuzen-Briefe geschrieben hat.

23, da war mein Leben noch chaotisch, von Unnützem und von Träumen erfüllt und Heiraten, eine komplett absurde Idee. Einfach superspießig auch. Es ist, als ob man mit 23 bereits mit dem Rest seines Lebens beginnt, bereits an der zweiten Hälfte der Torte nascht. Man stelle sich vor, dass unser Praktikant in ferner Zukunft vielleicht sogar noch die Gnadenhochzeit feiern wird! Ich meine 93, das ist dann auch wieder nichts besonderes mehr.