Plauderstündchen des Jahres

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Da sitzen sie nun. Ich sehe sie schon von weitem. Er, glücklich lächelnd, umringt von vier hingebungsvollen Zuhörern. Sie trinken Kaffee.

Ich weiß genau, was los ist. Er erzählt die Geschichte seines Krankenhausaufenthalts, samt Beschreibung des Vorher und Nachher, samt Verlauf der Operation und samt genauester Schilderung der Medikamentenvorgabe. Er erzählt das, was von seiner Frau bereits auf facebook ausgiebig verbreitet worden ist, kommentiert worden ist, geteilt worden ist und 73 mal gelikt und geloved. Bin ich herzlos, wenn ich nicht mehr gute Besserung wünsche, wenn 42 andere das doch schon getan haben? So einer braucht meine Wünsche doch gar nicht mehr, denke ich dann. Mich nervt dieses schamlose Getue.

Er sieht sehr glücklich aus. Er feiert seine Wiederauferstehung aus dem Sterbebett. Er ist in Plauderlaune.

Ich lächele einen knappen Gruß in die Runde und setze mich an den Nebentisch. Schon in der nächsten Sekunde kommen die Zweifel. Hätte ich…

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Die Sommer am Meer

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Früher, als ich noch Kind war, war es so gewesen: Weit im Landesinneren helle Aufregung, weil man bereits das Meer riechen konnte. Köpfe reckten sich über Leitplanken in der Hoffnung, einen Blick auf die schimmernde Verheißung werfen zu können, auf die geheimnisvolle Schönheit unverbauter Fläche. Das Meer, das Tor zur Freiheit, Siegel der Unendlichkeit, Spiegel der eigenen, unverstellten Seele. Das Meer ließ die Gedanken tanzen, das Herz hüpfen vor Freude und vor Aufregung lutschten himbeerrote Münder harte Bonbons ein wenig schneller.

Und wenn man dann da war, angekommen war, und auch das Zelt nach langem Überlegen und wortreichen Diskussionen endlich an seinem Platz stand, waren die Eltern plötzlich ganz entspannt. Mit einem Mal gab’s jeden Tag ein Eis, manchmal sogar zwei, abends dann Gegrilltes und Tomatensalat, mit oder ohne Zwiebeln. Der Vater mit jedem Tag mehr von Abenteuerlust getrieben, während die Mutter ängstlich hinterherlinste. Man schwamm und schnorchelte, bis man schier…

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Mein Nachbar, das Rätsel von nebenan

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  1. Mein Nachbar sieht ein bisschen aus wie Billy Bob Thornton als Killer Lorne Malvo in FARGO. Zumindest, seit er seine hüftlangen grauen Haare zum 3-mm-Kurzhaarschnitt gestutzt hat.
  2. Auf seinen langen Beinen geht er oft sehr gelassen und selbstbewusst an meinem Küchenfenster vorbei.
  3. Dann verschwindet er in seinem Haus und kommt scheinbar tagelang nicht mehr raus.
  4. Obwohl eines der Fenster Tag und Nacht, Sommer wie Winter offen steht, ist noch nie auch nur ein Laut aus diesem Haus gedrungen.
  5. Er hält immer alle Läden geschlossen. Er möchte nicht rausschauen, auch nicht, wenn die Sonne scheint.
  6. Am Anfang dachte ich, er sei ein Junkie. Seltsame Menschen auf Fahrrädern parkten vor seinem Haus, kamen, gingen, kamen und gingen.
  7. Früher fuhr auch er Fahrrad. Dann hat es irgendwann für ein kleines verbeultes Auto gereicht, dann für ein großes verbeultes Auto. Jetzt fährt er einen schwarzen Mercedes Vito und verrichtet damit irgendeine staubige Arbeit. Er scheint aus irgendeinem…

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  Change of Generations

topperspective

            In the Ghetto

Wenn der Schnee an einem kaltem, grauen Morgen in Chicago fällt, wird ein armes kleines Baby im Ghetto geboren
Und seine Mutter weint, denn wenn es etwas gibt, dass sie nicht braucht,ist es noch ein hungriger Mund, der gefüttert werden muss. Im Ghetto.

Versteht ihr denn nicht? Das Kind braucht eine helfende Hand, oder es wird eines Tages zu einem zornigen jungen Mann heranwachsen.
Schau dich und mich an. Sind wir zu blind um zu sehen, oder drehen wir unsere Köpfe einfach weg und schauen weg?

Die Welt dreht sich und ein hungriges kleines Kind mit einer laufenden Nase spielt in den Straßen, während der kalte Wind im Ghetto bläst.

Und sein Hunger flammt auf. Also fängt er an, nachts in den Straßen herumzuziehen. Und er lernt wie man stiehlt und er lernt wie man kämpft. Im Ghetto.

Dann in einer Nacht voller Verzweiflung bricht ein junger…

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Alles neu macht der Mai…

... oder das Dezember-Grau hat mir gesagt, dass ich etwas Frische in meinem Leben brauche. Aus der Philosophischen Küche ist der Ort der vorläufigen Wahrheiten geworden. Wahrheit ist wie Wasser, manchmal glasklar, manchmal schmutzig, die meiste Zeit kaum zu erkennen und immer sehr beweglich. Danke für Eure Treue und viel Lesevergnügen weiterhin!

99 Gründe glücklich zu sein – Nr. 38

Blättert man als Übergangshandlung so ein bisschen in Schopenhauers »Aphorismen zur Lebensweisheit«, findet man folgenden Satz: »Der allgemeinste Überblick zeigt uns, als die beiden Feinde des menschlichen Glückes den Schmerz und die Langeweile.« Unschmerz und Unlangeweile wären dann so etwas wie die Freunde des Glücks, aber nicht das Glück selbst. Nach Schopenhauer haben wir in…

99 Gründe glücklich zu sein – Nr. 37

Eigentlich war der Blogeintrag der Woche schon fertig. Irgendwas mit Büchern und im Antiquariat stöbern und so. Sehnsucht nach dem Duft von Papierleim, Druckerschwärze und Staub und wie schön es doch sei bla bla bla … Aber irgendetwas ließ mich zögern, und als ich den Text nochmals las, wusste ich auch weshalb. Mir war beim…

99 Gründe glücklich zu sein – Nr. 34

Herbst ist für mich die beste Zeit des Jahres. Wenn die Blätter in ihrem schönsten Kleid auf die Erde schweben, bin ich glücklich. Im Herbst sind wir in den Wäldern unterwegs, sammeln Kastanien, Laub, frische Luft und Eichhörnchen-Erinnerungen. Später gehen wir nach Hause, trinken Tee und essen Kekse. Im Herbst ist es Zeit, viel zu…