An jenem Tag im blauen Mond September

Für Gedichte fehlt mir meist die Ruhe, aber bei diesem von Bertold Brecht werde ich immer ganz still.

An jenem Tag im blauen Mond September, still unter einem jungen Pflaumenbaum. Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe, in meinem Arm wie einen holden Traum.

Und über uns im schönen Sommerhimmel, war eine Wolke, die ich lange sah. Sie war sehr weiß und ungeheuer oben, und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde, geschwommen still hinunter und vorbei. Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen, und fragst du mich, was mit der Liebe sei.

So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern, und doch, gewiss, ich weiß schon, was du meinst. Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer, ich weiß nunmehr: ich küsste es dereinst.

Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen, wenn nicht die Wolke dagewesen wär. Die weiß ich noch und werd ich immer wissen, sie war sehr weiß und kam von oben her.

Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer, und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind. Doch jene Wolke blühte nur Minuten, und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

Für diejenigen, die es lieber vorgelesen haben.

P.S. Linda hat sich noch nicht bei mir gemeldet.