99 Gründe glücklich zu sein – Nr. 27

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Man hat ja so seine Gegenmittel, wenn es einem schlecht geht. Wenn der Wein alle, das Bier noch nicht kalt und Drogen zu gefährlich sind, kann man immer noch auf Film und Literatur zurückgreifen.

Sehr lange hatte ich zwei Filme, die mir im Notfall aus der Misere halfen. Der eine spielt in Manhattan, alles ist so warm und weich, in freundlichen Brauntönen gehalten, alle sind gut frisiert und anständig angezogen. Niemand ist richtig böse, es gibt keinen Sex zu sehen, die Filmmusik ist lebensbejahend, zuversichtlich. Es ist ein Film wie ein warmes Schaumbad. Wohltuend, langweilig, ungefährlich.

Da ich aber als Auch-Filmwissenschaftlerin Filme wie Hiroshima mon amour, Il Deserto Rosso oder Das Cabinet des Dr. Caligari zu meinen Lieblingswerken zählen SOLLTE, habe ich mir die Manhattan-Idylle abgewöhnt. Zu peinlich. Der andere Film ist noch peinlicher, und soll deshalb gar nicht erst erwähnt werden. Gerade habe ich gelesen, dass ein Sequel gedreht werden soll. Sequels sind mir ein Gräuel. Kann man nicht EINE Geschichte in EINEM Film erzählen? Muss es denn immer nur ums Geld gehen? Das ist so jämmerlich.

Jetzt jedenfalls, da die Welt den Bach runtergeht und von der Zeitung bis auf weiteres keine guten Nachrichten zu erwarten sind, mache ich eine Tom-Robbins-Kur und das ist nicht zynisch gemeint sondern als Trost. Als Hoffnungsschimmer! Wenn mehr Leute mehr Tom Robbins lesen, wird die Welt ganz von selbst zu einem besseren Ort! Ich möchte es deshalb nicht unterlassen, allen meinen Lesern alle seine Bücher zu empfehlen und muss zugleich zugeben, dass ich bisher nur zwei Personen leibhaftig begegnet bin, die Tom Robbins richtig gut finden. Eine davon ist später nach Chile ausgewandert. Vielleicht gibt es da Zusammenhänge.

Eines seiner Bücher wurde mal von Gus van Sant mit Uma Thurman in der Hauptrolle verfilmt. Even Cowgirls get the Blues muss ein ziemlich schlechter Film sein. Ich persönlich denke ja, dass Tom Robbins unverfilmbar ist. In jedem einzigen Buch von ihm wimmelt es nur so von schrägen Vögeln, die bestens für die Imagination taugen, aber nicht für die Leinwand.

Früher wohnte er in einem Baumhaus in Seattle und ich denke manchmal: Himmel Herrgott, wenn ich in einem Baumhaus in Seattle leben würde, könnte ich vielleicht auch so schreiben!

Aber, er ist der Meister. Er schreibt mit Tinte auf Papier Seite für Seite ohne noch einmal zu korrigieren. Behauptet er jedenfalls. Und gut möglich, dass genau diese Methode den Zauber ausmacht. Dass nicht immer alles perfekt zusammenpasst. Seine Bücher sind das Gegenteil von smooth.

Jedenfalls, habe ich für alle, die sich von bankrotten BankerInnen, TarotmeisterInnen und Amphibienschenkeln nicht abschrecken lassen, einen herrlichen Buchtipp parat, gerade richtig für den Sommer: Lest doch mal Half asleep in Frog Pajamas ( zu dt. Halbschlaf im Froschpyjama) von Tom Robbins. Oder irgendwas von Tom Robbins. Das macht so gute Laune! Die können wir brauchen! Ach, sollte ich auf meinem Sterbebett doch noch einen Gott anerkennen, dann heißt er… … Na, wie wohl? Bingo!

 

Philosophische Häppchen #6

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“But the danger lies in this, that organised ugliness storms the mind and carries the day by its mass, by its aggressive persistence, by its power of mockery directed against the deeper sentiments of heart… Therefore its rivalery with things that are modest and profound and have the subtle delicacy of life is to be dreaded.”

Tagore, Nationalism, in: Martha Nussbaum, Not for Profit

Philosophische Häppchen #5

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“Was die Erziehung angeht, denke ich, man muß die Kinder nicht die kleinen Tugenden lehren, sondern die großen. Nicht Sparsamkeit, sondern Freigebigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Geld; nicht Vorsicht, sondern Mut und Verachtung der Gefahr; nicht Schlauheit, sondern Freimütigkeit und Wahrheitsliebe; nicht Diplomatie, sondern Liebe zum Nächsten und Selbstlosigkeit, nicht das Streben nach Erfolg, sondern das Streben nach Sein und Wissen.”

Natalia Ginzburg, Die kleinen Tugenden in: Die kaputten Schuhe

Philosophische Häppchen #4

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Bildergebnis für Bibliothek

 

“Menschen fotografieren heißt ihnen Gewalt antun, indem man sie so sieht, wie sie selbst sich niemals sehen, indem man etwas von ihnen erfährt, was sie selbst nie erfahren; es verwandelt Menschen in Objekte, die man symbolisch besitzen kann.”

Susan Sontag, Über Fotografie (Orig.: On Photography)